Chronik des 1. Vbg. Gleitschirmfliegerverein, Schnifis

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Wolfgang Natter, 13.02.2021

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TEIL I

Wie alles begann - der Gleitschirm – das unbekannte Wesen

Wie alles begann
Anlässlich eines Drachenfliegerurlaubs im Juli 1986 im schönen Sillian im Osttirol wurde Wolfgang Natter von dem dortigen Flugschulbesitzer Pepi Gasteiger überredet, ein neuartiges Fluggerät auszuprobieren. Ein Fallschirm, mit dem man auch vom Berg starten kann. Kurzfassung – beim Start laufen wie ein Weltmeister, Slalomflug durch die Baumwipfel, eine Kurve überm Landeplatz und eingebombt, unverletzt! Geschätzte Gleitzahl 1:2,5. Trotz dieses Schockfluges überredete Pepi den Wolfgang sich so ein Ding zu kaufen. Das ist die Zukunft, in Frankreich boomt der Sport gewaltig, wirst schon sehen, waren seine Worte bei der Abreise.

Erste Flüge in der Heimat

Erste Flüge in der Heimat Erste Flüge in der Heimat
Kurz gesagt, die meisten Startplätze der Drachenflieger waren auf Grund mangelnder Steilheit für das neue Ding nicht geeignet. So mussten steile Bergflanken herhalten, um erstens abzuheben und zweitens einen Fluggenuss von einigen Minuten zu erreichen. Doch das Flatterteil blieb nicht unbemerkt und bei jeder Landung wurde nachgefragt, wo man sowas lernen kann.

Die Gesetzlosen

Die Gesetzlosen
Gute Frage, wo kann man sowas lernen? Es gab zwar Drachenfliegerschulen aber dieses fallschirmähnliche Gebilde existierte im österreichischen Luftfahrtgesetz überhaupt nicht. So wurde am Thüringer Weiher ein steiler Übungshang gefunden und die ersten Interessierten wurden von Wolfgang in den neuen Flugsport eingewiesen. Das erweckte nur noch mehr Interesse und so musste nach einer Lösung gesucht werden.

Wer zuerst kommt malt zuerst

Wer zuerst kommt malt zuerst Wer zuerst kommt malt zuerst
Da die Gesetzeslage nach wie vor in der Luft hing wurde kurzerhand mit den „ausgebildeten Schülern“ der 1. Vbg. Gleitschirmfliegerverein im Oktober 1986 ins Leben gerufen. Gründungsmitglieder waren neben Wolfgang Natter, Maria Häusle, Gerold Töpfer und Elmar Vonblon. Ziel war es, sobald die gesetzlichen Bestimmungen ausgearbeitet würden, eine Vereinsschulung durchzuführen. Allerdings wussten die Behörden noch nicht, zu welcher Flugsportart sie den Gleitschirm zuzuordnen sollten. Zur Auswahl standen die Fallschirmspringer- und die Drachenfliegerschulen. Auf Grund der des Fußstartes wurde dann entschieden die Ausbildung in die Hände der Drachenfliegerschulen zu geben.

Das Inserat

Um unseren Verein und die geplante Schulung bekannt zu machen wurde ein kleines Inserat in den Vorarlberger Nachrichten geschaltet. Doch oh Schreck, statt der erwarteten 10 Interessenten meldeten sich spontan 50 Flugbegeisterte für einen Schnupperkurs an. Nur dank der Hilfe von Alex Lins und Maria Häusle konnten ein großer Teil der Schnupperer „abgearbeitet“ werden. Die Erkenntnis, für eine Vereinsschulung war die Nachfrage doch zu groß und so wurde im Verein beschlossen eine andere Möglichkeit für die Schulung zu suchen.

Auf der Suche nach Startplätzen

Auf der Suche nach Startplätzen Auf der Suche nach Startplätzen
Zwar bot sich mit dem Schnifner Seilbähnle eine ideale Aufstiegshilfe an, doch waren die Startplätze am Hensler für einen Abgleiter ins Tal mit Gleitzahl 3 nur bedingt möglich. Gestartet wurde am obersten Waldrand. Bei besten Bedingungen konnte von dort der Knackpunkt – die Waldkante - mit einigen Metern überflogen werden. Ansonsten erfolgte die Landung auf der großen Wiese oberhalb der Waldkante. Wer es geschafft hatte donnerte im Direktflug auf den Landeplatz Plateau zu. Landevolte ging sich in den seltensten Fällen aus.

Der blaue Brief

Der blaue Brief Der blaue Brief
Das Glück, am eigenen Hausberg zu fliegen, dauerte nicht lange. Ein Vereinsmitglied erhielt einen eingeschriebenen Brief mit einer Besitzstörungsklage. Wie sich herausstellte hatte ein Drachenfliegerverein aus dem Unterland mit dem Eigentümer einen exklusiven Pachtvertrag abgeschlossen. Das hieß also, Startverbot für unseren Verein oder kräftig Startgeld berappen. Der Grundstückseigentümer, der Vater von unserem Seilbahn Hubert, wollte uns zwar auch starten lassen, doch der Vertrag war mit einem ausschließlichen Recht für den Unterländer Verein versehen. Auf Nachfrage, wie den der Vertrag zustande gekommen sei, stellten sich doch einige sonderbare Gegebenheiten heraus. Unser Verein beschloss daher den Vertrag anzufechten, was natürlich im Sinne auch von Huberts Vater war, der uns ebenfalls das Startrecht erteilen wollte. Der Verein beschloss nach Beratung mit einem Rechtsanwalt dieses Ausschließlichkeitsrecht anzufechten. So wurde ein Prozess geführt bei dem sich herausstellte, dass der Vertrag sittenwidrig war. Daher konnte unser Verein sich ebenfalls ein vertragliches Recht für die Startplatzbenützung mit Huberts Vater sichern. Ein Dank an Alle Mitglieder, die sich bereit erklärt hatten, die Prozesskosten aufzuteilen, sollten wir verlieren.

Die Flugschule

Flugschule
Da nach wie vor die Nachfrage für die neue Flugsportart stetig stieg, beschlossen Wolfgang Natter und Markus Mittelberger die Fluglehrerprüfung zu absolvieren und eine behördlich zugelassene Flugschule zu eröffnen. Das hieß viel Behördenkram, Verträge Start-Landeplätze, Gemeinde, Landesregierung, Flugplatz Hohenems usw. Schlussendlich fand die Verhandlung statt und durch die Unterstützung des damaligen Bürgermeisters Duelli wurde die Genehmigung erteilt. Zu bemerken ist, dass schon damals eine enge Zusammenarbeit zwischen Verein und Schule entstanden ist und alle Verträge sowohl auf den Verein wie auch auf die Flugschule ausgestellt wurden.

Die Gleitzahlen steigen

Mittlerweile hatten sich aus den 9 Zeller Schirmen durch wagemutige Konstrukteure sowohl die Zellenanzahl als auch die Formen verändert. So konnte erstmals auch vom Fliegen gesprochen werden. Das heißt, es war mittlerweile auch Thermik spürbar und die Flugzeiten verlängerten sich. Und wie bei jedem Sport entwickelte sich auch hier eine Wettkampfszene, wobei die Aufgaben meist aus Ziellandung und Flugdauer bestanden.
Die Gleitzahlen steigen Die Gleitzahlen steigen Die Gleitzahlen steigen
Unser Verein veranstaltete die 1. Vbg. Landesmeisterschaft am Hochjoch und einige Mitglieder nahmen an den österreichischen Staatsmeisterschaften teil. Sowohl bei der Landesmeisterschaft als auch bei den Staatsmeisterschaften erreichten unsere Mitglieder hervorragende Platzierungen.
Die Gleitzahlen steigen Die Gleitzahlen steigen
Die Gleitzahlen steigen Die Gleitzahlen steigen

Wolfgang Natter, 13.02.2021